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Wird die Gesundheit meines Babys durch die Art der Geburt beeinflusst?

Der Titel eines französischen Buches lautet „Es ist nicht egal, wie wir geboren werden“. Doch viele Eltern fragen sich, was steckt hinter dieser Aussage? Klar ist, dass wenn man einmal in die Wissenschaft eintaucht, findet man eine immer größere Anzahl an Untersuchungen, die Vorteile einer natürlichen Geburt für Kind und Mutter bestätigen. Forscher berichten, dass natürlich geborene Kinder deutlich seltener an Allergien und chronischen Erkrankungen leiden. Diese Erkenntnisse stellen jedoch in bestimmten Fällen keinesfalls die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts in Frage. Die Kaiserschnittrate von rund 25 % in Europa entspricht aber bei Weitem nicht der medizinischen Notwendigkeit und ist eindeutig zu hoch.1

 Beim Säugling

 Zurzeit wird in der Öffentlichkeit viel zum Thema Darmflora und Darmmikrobiom debattiert, und es wächst das Verständnis über ihren Einfluss auf unsere Gesundheit. Die Entwicklung des Darmmikrobioms beginnt laut neuen Erkenntnissen bereits im Mutterleib.2 So richtig Fahrt nimmt sie allerdings erst ab dem Moment der Geburt auf. Hier kommt Dein Kind zum ersten Mal mit einer großen Vielzahl von Bakterien in Kontakt. Entscheidend ist in diesen Momenten, dass sich die Mikrobiota je nach Art der Geburt in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Bei einer natürlichen Geburt kommt es während des Geburtsvorgangs zu der Aufnahme von Laktobazillen und Bifidobakterien der Scheide, das Kind wird sprichwörtlich mit nützlichen, gesundheitsförderlichen Bakterien geimpft. Durch einen Kaiserschnitt kommt das Kind als erstes mit Bakterien der Haut und des Krankenhauses in Kontakt.2 Anstelle von Laktobazillen und Bifidobakterien gelangen nun „Fremdlinge“ in den Darm und vermehren sich dort.2 Im Darm findet ein Großteil der Immun- und Abwehrreaktionen statt. Eine veränderte Mikrobiota kann die Art und Ausprägung dieser Reaktionen stark beeinflussen.

 Konsequenzen der Darmbesiedlung

 Im Kindesalter fällt auf, dass Immunreaktionen von per Kaiserschnitt geborenen Kindern, im Vergleich zu natürlich geborenen Kindern deutlich beeinträchtigt sind. Diese Beobachtung könnte erklären, warum „per Kaiserschnitt geholte“ Kinder häufiger an Allergien, Asthma, autoimmunen Erkrankungen und Übergewicht leiden.1 Laut Experten muss sich eine Beeinträchtigung des Mikrobioms jedoch nicht zwingend im Säuglings- oder Kindesalter bemerkbar machen, auch Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes Typ 2 können im späteren Leben mit solchen Fehlbesiedlungen verbunden sein.1

 Maßnahmen der Natur

 Die Natur hat sich einiges einfallen lassen, um die Entwicklung eines gesunden Mikrobioms beim Kind zu unterstützen. Leider werden diese natürlichen Mechanismen von uns häufig ungewollt beeinflusst oder vergessen. Der Körper der Mutter bereitet sich schon vor der Geburt auf die Übergabe der richtigen Bakterien vor. Hier verändert sich die Bakterienflora der Scheide in den letzten Wochen der Schwangerschaft, die Anzahl an Laktobazillen nimmt deutlich zu und die Anzahl unterschiedlicher Bakterienarten, also die Vielfalt,  nimmt deutlich ab.3 Auf diese Weise wird sichergestellt, dass dem Kind die richtigen „Starterkulturen“ mitgegeben werden. Nach der Geburt erhalten das Baby und die Bakterien in Form der Muttermilch die beste Wachstumsunterstützung. Die Muttermilch bietet dem Baby alles, was es für sein Wachstum und seine Entwicklung braucht. Außerdem enthält Muttermilch Präbiotika, sogenannte humane Milcholigosaccharide (HMOs). HMOs fördern das Wachstum von Laktobazillen und Bifidobakterien und tragen somit erheblich zur deren Vermehrung bei.4 Das erstaunliche ist, dass der Großteil der Bakterien, darunter auch die Haut und Krankenhausbakterien humane Milcholigosaccharide nicht verstoffwechseln können und somit durch das Stillen nach und nach von gesunden Bakterien verdrängt werden.4 Forscher berichten, dass Stillen die Entwicklung der Mikrobiota, nach einem Kaiserschnitt, wieder in die richtige Bahn bringt und den Effekt des Kaiserschnitts vermindert.5

 

 Von Malgorzata Nehls, Dipl. Hebamme

  1. Keag OE et al. Long-term risks and benefits associated with cesarean delivery for mother, baby, and subsequent pregnancies: Systematic review and meta-analysis. PLoS Med. 2018; 15: e1002494
  2. Urushiyama D et al. Microbiome profile of the amniotic fluid as a predictive biomarker of perinatal outcome. Sci Rep. 2017; 7: 12171
  3. Wampach L et al. Birth mode is associated with earliest strain-conferred gut microbiome functions and immunostimulatory potential. Nat Commun. 2018; 30: 5091
  4. Yu Z et al. Utilization of major fucosylated and sialyated human milk oligosaccharides by isolated human gut microbes. Glycobiology; 23: 1281-1292
  5. Korpela K et al. Fucosylated oligosaccharides in mother's milk alleviate the effects of caesarean birth on infant gut microbiota. Sci Rep. 2018; 8: 13757
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